Veranstaltungen und Projekte

Industriekultur in Mannheim

Eine frische Brise weht der Reisegruppe entgegen, die sich auf Einladung des Arbeitskreises Heimatpflege am 23. Juni 2018 bei sonst angenehmem Reisewetter an der Kurpfalzbrücke in Mannheim einfand. Mannheimer Industriekultur zu erleben ist das Tagesziel. Zunächst geschieht dies auf äußerst komfortablem Weg per Schiff. Die Vorsitzende des Vereins Rhein-Neckar-Industriekultur e.V., Frau Barbara Ritter, begleitet die Industriehafentour der Kurpfalzschifffahrt. Ihre Kommentare zu traditionsreichen und modernen Unternehmen an Neckar und Rhein werden aufmerksam verfolgt. Imposant präsentiert sich die in Ludwigshafen ansässige BASF, ein 10 km langer respekteinflößender Gebäude- und Röhrenkomplex. Beschaulicher geht es im Altrhein weiter, vorbei an der Friesenheimer Insel mit der ältesten Fähre Deutschlands, hinein in den vor mehr als 100 Jahren angelegten Industriehafen. Er bedeutete für Mannheims Wirtschaft und die Entwicklung der Stadt eine Initialzündung. Für die Entfaltung der Stadt als selbstbewusste Arbeiter- und Industriestadt gingen von hier viele Impulse aus, internationale Unternehmen ließen sich nieder. Spektakuläre Bauten der Gründerzeit, des Jugendstils und der neuen Sachlichkeit zeigen sich von der Wasserseite besonders eindrucksvoll. Markante Firmensignete, allen voran der Aurora Sonnenstern, Goldpuder von der Pfalzmühle sowie VDO-Bunge, damals eine der größten Saatölmühlen Europas mit seinen vier Mal zehn Silos an einem hohen kubischen Klinkerbau präsentieren sich dem Betrachter. Viele Eindrücke später passiert das Schiff die vor Verschlammung schützende Schleuse und kehrt zum Ausgangsort an der Kurpfalzbrücke zurück. Daten und Fakten zu den wichtigsten Gebäuden sind in einem ansprechenden Magazin, das der Verein Rhein-Neckar-Industriekultur e.V. herausgegeben hat, zusammengefasst. Über 250 Beschreibungen sind bereits auf der Homepage des Vereins eingestellt, ein Eldorado für Wissbegierige!

Mit dem Besuch des Alten Klärwerks und der genossenschaftlichen Burg GEG erkundete die Gruppe mit Frau Ritter im Anschluss an die Hafentour zwei besondere Mannheimer Kostbarkeiten. Das erste Klärwerk Mannheims – bestehend aus sechs Klärbecken, zwei Pumpenhäusern und einem Wasserturm sowie dem Wohnhaus des Klärwerksmeisters - beeindruckt durch ansprechende Architektur. Heute wird es als Künstleratelier und Ausstellungsraum der städtischen Wasserwirtschaft genutzt. Ein Areal von 10.000 Quadratmeter gehört zu dem Ensemble der norddeutschen Backsteingotik mit Jugendstilelementen. Liebevoll gepflegt durch den Künstler Rüdiger Krenkel wirkt es geradezu malerisch. Blühende Wiesen bieten  Insekten Nahrung und in den als Biotop gehaltenen Klärbecken fühlen sich Molche, Wasserschnecken und Libellen wohl. Seine an der Natur ausgerichtete Kunst fügt sich idyllisch in das Ensemble ein.
Im Gegensatz dazu besticht das monumentale Gebäude der im Stil der neuen Sachlichkeit erbauten genossenschaftlichen Burg durch Imposanz und Klarheit. Der Gebäudekomplex der genossenschaftlichen Produktionsstätten - das Malzkaffeewerk, die Getreidemühle und die Nudelfabrik - wirkt mächtig und wehrhaft. Seine Fassade besticht durch das Farbenspiel der Klinker. Unregelmäßig gesetzte Klinker beleben die sonst glatte Fassade. Nach einer Besichtigung im Inneren reichen Mitglieder des Vereins echten Malzkaffee und köstlichen selbst gebackenen Kuchen.
Beeindruckt und um wertvolle Eindrücke reicher, tritt die Gruppe rechtzeitig vor dem WM-Spiel die Heimreise an. Unisono geht es durch die Reihen: Die Reise hat sich sehr gelohnt und kann guten Gewissens nur weiterempfohlen werden! Unser herzliches Dankeschön gilt dem Verein Rhein-Neckar-Industriekultur e.V., der sich sehr für den Erhalt der Kulturdenkmäler Mannheims und der Region einsetzt, und ganz besonders Frau Barbara Ritter für die tolle Organisation und die kompetente Führung durch den Tag. Wir waren sicher nicht zum letzten Mal in Mannheim!